„Elektromobilität: Wohl oder Wehe für die Energiewende?“ – Thema des 3. Rogowski-Themenabends hochaktuell

Dieselaffäre, Fahrverbote, das Ende des Verbrennungsmotors – diese Themen werden nicht nur deutschlandweit viel und kontrovers diskutiert. Mit der Fragestellung „Elektromobilität: Wohl und Wehe für die Energiewende?“ griff der 3. Rogowski-Themenabend, der am 15.11.2017 stattfand, somit ein hochaktuelles Thema auf. Moderiert von Prof. Dr.-Ing. Armin Schnettler diskutierten über 350 Gäste diese Fragestellung mit drei Experten der Energiewirtschaft.

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Prof. Dr.-Ing. Günther Schuh (Geschäftsführender Direktor Produktionsmanagement Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen sowie Gründer und CEO der e.GO Mobile AG), sieht in der bisher fehlenden Wirtschaftlichkeit der Elektrofahrzeuge den wesentlichen Grund, warum bisher kein flächendeckender Durchbruch der Elektromobilität erzielt werden konnte. Der Markt sei da, aber warum sollten Kunden bereit sein ein Elektroauto mit geringer Reichweite zu einem wesentlich höheren Preis im Vergleich zu einem konventionellen Wagen mit größerer Reichweite zu kaufen?  Zudem ist Schuh überzeugt, dass sich für Langstrecken reine Elektrofahrzeuge nicht durchsetzen werden. Hier würde der Markt eher Plug-In-Hybride bevorzugen. Dabei werde zunächst noch ein einfacher Verbrennungsmotor eingesetzt, in Zukunft könne dieser dann gegen eine Brennstoffzelle ausgetauscht werden. Kurze Strecken rein elektrisch zu fahren, sei hingegen kein Problem. In Bezug auf eine flächendeckende Ladeinfrastruktur bemerkte Schuh, dass diese Idee zu überdenken sei. Er warf die Frage auf, ob eine solch kostenintensive Struktur nicht entbehrlich sei, wenn wir immer dort „tanken“ würden, wo wir parken.

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Demgegenüber sprach sich Dr.-Ing. Christoph Roggendorf (Fachreferent Energietechnik Hardware für Schnelladeinfrastruktur bei Porsche Engineering) für den Aufbau einer Schnellladeinfrastruktur aus, um auch rein elektrisches Fahren auf langen Distanzen zu ermöglichen. Dabei müsse die Ladeinfrastruktur eine Intelligenz mit sich bringen, um z.B. einen Spannungsfall zu erkennen oder das Netz zu symmetrisieren.  Wie Schuh ist auch Roggendorf der Überzeugung, dass der Preis der Schlüssel für die Durchdringung des Marktes sein wird. Ebenso wichtig sei jedoch, dem Kunden den gleichen Komfort wie in einem Auto mit Verbrennungsmotor zu bieten. Roggendorf ist überzeugt, dass Elektromobilität sich durchsetzen wird, erst in der Stadt und dann in der gesamten Fläche.

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Dr-Ing. Andreas Cerbe (Netzvorstand von Rheinenergie) beruhigte die Gäste. Die häufig geäußerte Sorge, die hohe Gleichzeitigkeit von Ladevorgängen führe zu Instabilitäten im Niederspannungsnetz, sei unbegründet. Dies sieht Cerbe auch dann gegeben, wenn Elektroautos flächendeckend genutzt werden. Ein starker Netzausbau sei nicht notwendig, die Netze müssten lediglich ein wenig intelligenter werden. Mögliche technische Lösungen seien von den Nachtspeicherheizungen bereits bekannt. Viel wichtiger und dringlicher seien, so Cerbe, intelligente Mobilitätskonzepte für die Städte. Dort seien die höchsten Emissionen zu verzeichnen und somit spiele Elektromobilität bei der Lösung des Problems eine zentrale Rolle. Cerbe ermunterte dazu, dass gesamte Thema stärker unternehmerisch anzupacken und dabei weniger perfektionistisch sein zu wollen.

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Einig waren sich alle Referenten darin, dass Deutschland ökologisch mit dem Thema Energiewende auf dem richtigen Weg ist. Auch war unstrittig, dass Elektromobilität ein wichtiger Baustein der Energiewende in Deutschland ist. Welche Konzepte aber die „richtigen“ sind, um Elektromobilität flächendeckend umzusetzen, und was dafür an Veränderung der Infrastrukturen notwendig ist, darüber gab es unterschiedliche Meinungen.

Nach der Veranstaltung nutzten Gäste und Experten das Angebot, sich beim Get-Together zu erfrischen und die lebhafte Diskussion im lockeren Rahmen fortzuführen.

Wir danken allen Beteiligten für die gelungene Veranstaltung und freuen uns auf den nächsten Themenabend!

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3. Rogowski-Themenabend „Elektromobilität – Wohl oder Wehe für die Energiewende?“ (15. November 2017)

Das Institut für Hochspannungstechnik (IFHT) lädt hiermit herzlich zum 3. Rogowski-Themenabend „Elektromobilität – Wohl oder Wehe für die Energiewende?“ ein. Hierzu begrüßt Prof. Schnettler:

  • Prof. Günther Schuh (WZL RWTH Aachen – Geschäftsf. Direktor Produktionsmanagement, e.GO Mobile AG: Gründer und CEO),
  • Dr. Andreas Cerbe (Rheinenergie – Netzvorstand),
  • Dr. Markus Doll (Bundesnetzagentur – Leiter Netzentwicklung) und
  • Dr. Christoph Roggendorf (Porsche Engineering – Fachreferent Energietechnik Hardware für Schnellladeinfrastruktur).

Im Rahmen der von Prof. Schnettler moderierten Podiumsdiskussion werden unter anderem die Chancen und Risiken der Elektromobilität für das zukünftige Energiesystem diskutiert. Es besteht selbstverständlich die Möglichkeit, eigene Beiträge und Fragen in die Diskussion einzubringen und im Anschluss mit den Dozenten persönlich ins Gespräch zu kommen.

Die Veranstaltung beginnt am 15. November 2017 um 18:00 Uhr und findet im Hörsaal Eph des Rogowski-Gebäudes in der Schinkelstr. 2 statt.
Wir erbitten eine formlose Anmeldung unter: rogowski-themenabend@ifht.rwth-aachen.de

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IFHT-Spin-off envelio Hauptpreisträger beim BMWi Gründerwettbewerb „Digitale Innovationen“

Die „envelio GmbH“ als Spin-off des Instituts für Hochspannungstechnik der RWTH Aachen University konnte am vergangenen Freitag, den 1. September 2017, einen von sechs Hauptpreisen des Gründerwettbewerbs „Digitale Innovation“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) entgegennehmen. Im Rahmen der Preisverleihung auf der IFA 2017 in Berlin wurde der Preis von Staatssekretär Dirk Wiese überreicht. Für den Preis hatten sich rund 300 innovative Gründerteams aus ganz Deutschland beworben. Weitere Informationen zu der Preisverleihung finden sich auf der Webseite des BMWi.

Moritz Cramer, Philipp Erlinghagen und Dr. Simon Koopmann (v.l.n.r.) bei der Preisverleihung auf der IFA 2017 (Quelle: BMWi)

Moritz Cramer, Philipp Erlinghagen, Dr. Simon Koopmann und Staatssekretär Dirk Wiese (v.l.n.r.) bei der Preisverleihung auf der IFA 2017 (Quelle: BMWi)

Das Start-up envelio bietet mit der „Intelligent Grid Platform“ (IGP) eine Software-as-a-Service-Lösung für die Herausforderungen von Stromnetzbetreibern im Rahmen der Energiewende. Die Lösung verknüpft Optimierungsverfahren mit der Automatisierung von manuellen Prozessen. Energienetzbetreiber werden damit erstmals in die Lage versetzt, zukunftsfähige und flexible Netze in einem digitalisierten Prozess effizient zu planen und zu betreiben. Derzeit testet envelio die IGP in einer Pilotphase mit namenhaften Netzbetreibern und bereitet den deutschlandweiten Marktstart der Plattform zu Beginn nächsten Jahres vor. Weitere Infos finden sich auf der Webseite von envelio.

envelio konnte neben dieser wohl wichtigsten Gründerauszeichnung in Deutschland seit der Unternehmensgründung im April 2017 bereits folgende Gründer- und Innovationspreise gewinnen:

  • RWTH Spin-off Award
  • Gründerwettbewerb „Start2grow“
  • RWTH Innovation Award
  • Gründerwettbewerb „AC²“

Wir gratulieren envelio zu den Auszeichnungen und wünschen den Gründern auch in Zukunft viel Erfolg!

EU Kommission fördert das Projekt Plan4Res

Das IFHT gewinnt den Zuschlag für das EU-Projekt „Plan4Res” zur Entwicklung von Tools für die Planung und den Betrieb eines sektorengekoppelten elektrischen Energiesystems. Das Projekt „Plan4Res“ ist Teil des Forschungsvorhabens H2020 LCE 05 – 2017 – “Tools and technologies for coordination and integration of the European energy system”.

Horizon 2020
Das Projekt startet zum 01. November 2017 und hat eine Laufzeit von 3 Jahren. Das Institut für Hochspannungstechnik hat das Projekt gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft beantragt. Für das IFHT werden die Abteilungen Nachhaltige Übertragungssysteme und Nachhaltige Verteilungssysteme das Projekt bearbeiten.

Projektziel

Die Energiewende verfolgt das Ziel der Dekarbonisierung des Energiesystems. Der hierzu erfolgende Ausbau volatiler erneuerbarer Energien, der resultierende steigende Flexibilitätsbedarf in Markt und Netzbetrieb, die Kopplung verschiedener Energiesektoren sowie die aus diesen Aspekten steigenden (netz-)technischen und systemischen Anforderungen führen zu einer erhöhten Komplexität im Rahmen der Energiesystemanalyse.

Ziel des Projekts Plan4Res besteht in der umfangreichen Berücksichtigung dieser zunehmenden Komplexität im Rahmen von End-to-End-Planungstools und Tools zur Betriebssimulation zukünftiger Energiesysteme auf zentraler und dezentraler Ebene. Technologische und marktseitige Unsicherheiten, neue Technologien und eine verstärkte Kopplung zwischen den Energiesektoren Strom, Wärme, Verkehr und Gas werden in einem synergistischen Ansatz betrachtet. Die Tools dienen der Unterstützung europäischer Systemplaner sowie Energieversorgungsunternehmen und Technologiekonzernen bei der strategischen und technologischen Ausrichtung als auch politischen Entscheidungsträgern und Regulatoren bei der Analyse der Wirksamkeit verschiedener politischer Maßnahmen.

Zur Erreichung dieses Ziels werden sowohl energietechnische, mathematische als auch programmiertechnische Lösungen untersucht. Dies wird durch die Kombination technischer Innovationen in der Entwicklung mathematischer Modelle geschaffen – weg vom „monolithischen Ansatz“, der bisher in der Wissenschaft vorherrschend war. Stattdessen wird ein System angestrebt, in dem eine Vielzahl von Modellen in einer funktionalen Hierarchie geordnet werden und alle zusammen synergistisch zur Analyse des Gesamtsystems beitragen.

Konsortium

Das Projektkonsortium besteht aus Partnern mit breiter Expertise, die das gesamte Know-how im Energiesystem abdecken:

  • Marktakteure, die sicherstellen, dass die tatsächlich relevanten Probleme angegangen werden
  • Expertise im Energiesektor durch akademische und industrielle Partner
  • Wissenschaftler im Bereich mathematischer Methoden mit ausgeprägtem Fachwissen
  • Informatiker und Ingenieurwissenschaftler, die die Effizienz der entwickelten Tools gewährleisten

Insbesondere wird das von Electricité de France SA (EDF) geführte Konsortium gebildet durch:

  • RWTH Aachen, Institut für Hochspannungstechnik, Deutschland
  • Siemens AG Corporate Technology, Deutschland
  • Cray Schweiz GmbH, Schweiz
  • Imperial College London, Großbritannien
  • Zuse Institut Berlin (ZIB), Technische Universität Berlin, Deutschland
  • Department of Computer Science, Universität Pisa, Italien

Kontakt

Christoph Müller, M.Sc.
Abteilungsleiter Nachhaltige Übertragungssysteme
Tel.: 0241/80 90149
E-Mail: mueller@ifht.rwth-aachen.de

Anmeldung Seminar zum Praxissemester – Wintersemester 2017/2018

Studierende der Elektrotechnik und Informationstechnik, die bereits ihr Praxissemester absolviert haben oder sich aktuell im Praktikum befinden, können sich ab sofort für das kommende Wintersemester 2017/2018 zum Seminar zum Praxissemester anmelden. Voraussetzung ist die Absicht, die anstehende Masterarbeit am IFHT zu schreiben oder diese bereits am IFHT abgeschlossen zu haben. Das Seminar besteht aus einer Einführungsveranstaltung und mehreren Vortragsterminen, wo jeder Studierende im Rahmen eines Vortrags die Inhalte des Praxissemesters vorstellt. Für alle Termine gilt Anwesenheitspflicht.

Anmeldungen werden unter Angabe von Matrikelnummer, Name und Ort des Unternehmens, Tätigkeit (nicht mehr als 1 Satz) und Tag des letzten Arbeitstages bis zum 31. Oktober von Lothar Wyrwoll ( wyrwoll@ifht.rwth-aachen.de ) entgegen genommen.

Informationsabend der Abteilung Nachhaltige Übertragungssysteme

Am 24. August 2017 veranstaltet die Abteilung Nachhaltige Übertragungssysteme des IFHT einen Informationsabend in lockerer Atmosphäre. Neben einer Vorstellung der Abteilung sowie aktueller Forschungsfragen haben interessierte Studierende die Möglichkeit, sich über mögliche Abschlussarbeiten bzw. HiWi-Stellen zu informieren.

Zur besseren Planung bitten wir um formlose Anmeldung per E-Mail an knittel@ifht.rwth-aachen.de.

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Anmeldebeginn HGÜ-Blockvorlesung

Das Blockvorlesung „Hochspannungsgleichstrom-Übertragung“ wird dieses Jahr zum ersten Mal auch im Wintersemester angeboten und die Anmeldung ist offen!
Alle Informationen zu Veranstaltung und Anmeldung finden Sie hier.

Semesterabschlussfeier

Am vergangen Freitag (21.07.17) feierten die Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Energietechnik mit den Mitarbeitern des IFHT den Semesterabschluss. Die Tradition aufgreifend wurde die Veranstaltung durch einen Industrievertreter mit einem Vortrag eröffnet. In diesem Jahr konnte Thomas Dederichs von der Innogy SE – und Ehemaliger des Instituts – gewonnen werden. Sein Thema war hochaktuell und spannend: „Energiewende – Folgen, Risiken und Chancen für Energieversorger“.

Bei dem anschließenden Get-Together hatten die Studenteninnen und Studenten die Möglichkeit, das Thema mit Professor Schnettler und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des IFHT zu vertiefen. Auch diskutierten die Studierenden in lockerer Atmosphäre mit Thomas Dederichs über die Energiewende, seine aktuelle Arbeit bei Innogy SE und seine Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am IFHT. Ihm und der Innogy SE gilt unser besonderer Dank. Nicht zuletzt durch ihre Unterstützung war die Veranstaltung ein großer Erfolg. Wir freuen uns bereits auf die Veranstaltung im nächsten Jahr!

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